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Als wir, Christine und ich, diese Familiengruppenwanderung planten und ins Jahresprogramm integrierten, war noch tiefster Winter. Da dachte noch keiner an die Fußball- Weltmeisterschaft in Südafrika. Noch sind es ja gut zwei Wochen, denke ich beim Eröffnungsspiel. Später realisiere ich dann so langsam, dass genau auf unser geplantes Datum das Achtelfinalspiel mit Beteiligung aus der Gruppe D fällt, bei dem ja, wenns dumm läuft, Deutschland dabei sein könnte. Noch besteht Hoffnung, dass Schweini und Co in der Vorrunde rausfliegen. Aber schon gegen Australien zeichnet sich das Debakel ab. Vielleicht gibts ja gegen Ghana nur ein Unentschieden, dann wären sie nur Gruppenzweiter. Alle Wünsche bleiben unerfüllt. Natürlich gewinnen „unsere Jungs“ und sind damit Gruppenerster. So kommt es, dass genau zum Termin der Wanderung am Wasserscheideweg das Achtelfinalspiel gegen England ausgetragen wird. Gegen England! Den Lieblingsfeind! Und das auch noch Nachmittag um 16:00 Uhr. Ich wundere mich nicht. Familien, die im Frühjahr noch begeistert zugesagt hatten, sagen jetzt reihenweise ab. Christine und ich müssen kräftig die Werbetrommel gegen unseren schärfsten Konkurrenten, Jogi Löw, rühren. Am Schluss werden wir dann doch 17. Ohne Deutschland-Fähnchen am Rucksack ziehen wir los.
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Auf dem Weg zum Wildbad, bei dem wir Mittag essen, kommt so richtig Wasserscheide-feeling auf. Das Gelände fällt rechts und links steil ab, wir balancieren exponiert am Grat dazwischen. Weite Ausblicke ins Aisch-Becken sind möglich. Gut, dass der Weg meistens im Wald verläuft, denn da ist Schatten. Ab und zu muss unsere Eisenbahn, zu der wir uns mit unseren deutlich in der Überzahl befindlichen Kindern im Eisenbahnspiel zusammenschließen, aber raus an den Waldrand. Da trifft uns dann der gelbe Fixstern gnadenlos. Die Sonnenmilch, stilvoll schlumpfeisblau, fließt in Strömen. „Ich glaub’ ich explodier gleich!“ sagt Miriam.
Bis das Mittagessen serviert wird, jagen unsere Kids die Pfaue ums Gasthaus Wildbad. Schon schreien sie kläglich. Hoffentlich reißen sie ihnen keine Federn aus, denn so ein Pfau sieht schon klasse aus, wenn er sich eitel mit seinem Rad zur Schau stellt.

So laufen wir schon um drei beim Waldschwimmbad/der Westernstadt/dem Barfußpfad bei Nordenberg ein. Und….es hat sich gelohnt!! Da läuft ein Flachbild, aus dem schon der Beckenbauer grinst: „Ja, äh, unsere Freunde, äh, aus England, äh, aber heute sind wir gut aufgestellt, ich, äh, meine, äh, die Mannschaft hat eine hervorragende Disziplin, äh, das hat ja auch der Jogi schon gesagt, äh,….“.
Die Kinder hatten schon auf den letzten Metern, in der Sumpfpassage oder dem Turn-Reck des Vita-Parcours am Wegesrand, in Vorfreude auf den Barfußpfad, die Schuhe ausgezogen (oder war es wegen der qualmenden Socken?). Jetzt wollen wir ihn zum Abschluss noch gehen (Manche, Väter vor allem, bleiben vor dem Fernseher zurück). Fühlkästen, Balancierstämme, Kies- oder Rindenmulchteppiche und Schlammbecken sind noch mal Highlights. Und Deutschland hat mit 4:1 gewonnen. Denen haben wirs aber gezeigt (ist am nächsten Tag in allen Zeitungen zu lesen).
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Wir Älteren (Väter vor allem) suchen lieber Linderung für unsere Gebrechen am Augenbrunnen oder den anderen Quellen. Jedes Rinnsal, das aus dem Fels tröpfelt hat eine andere Heilwirkung. Gibt’s auch eins für WM-Entzug?? Die Zuversicht auf Public Viewing am Waldschwimmbad beim Barfußpfad wirkt wie Red Bull. Was Jogi Löw seinen Spielern vor dem Spiel sagt geben wir gerne an unsere Hauptakteure weiter: „Gell, und euscherste Disziplin und keine Klagen“ – „und nachher gibt’s ein Eis“, ergänzen wir noch.

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